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The Cal: Pirelli in Afrika PDF Drucken E-Mail
Freitag, 21. November 2008
 Alljährlich wird das nun zum 37. mal erscheinende Machwerk eines italienischen Reifenproduzenten zu einem der feinsten PR-Coups aller Zeiten. Die Ehre, einen solchen Kalender persönlich zu erhalten, wird nur sehr wenigen zuteil – umso größer die Neugier, welche Mädchen sich in diesem Jahr ausgezogen haben. Für den Kalender 2009 heizt Pirelli mit heissen Reifen durch Afrika und zieht das grüne Öko-Mäntelchen an. Von „natürlicher Schönheit“ ist nicht nur in Bezug auf die Models, sondern auch auf die Tiere und Landschaften in Botswana die Rede. Der Amerikaner Peter Beard kennt sie sehr gut, denn er lebte viele Jahre dort. Ohne Zweifel sind dabei schöne Fotos von atemberaubenden Landschaften in einmaligen Lichtstimmungen entstanden, eindrucksvolle Bilder wilder Tiere und selbstverständlich auch erotisch angehauchte Werke schöner Frauen (die aber thematisch diesmal etwas im Hintergrund stehen). Wie das zu Pneus für spritfressende Sportflitzer passt, bleibt zweitrangig, solange alle Welt über „The Cal“ staunt ;-) Infos z.B. beim Spiegel, Welt Online (inkl. Video) oder Fokus. Foto © Pirelli Kalender
 
"Life Magazin" Archiv bei Google PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 20. November 2008
 Das Life Magazin gehörte über Jahrzehnte zur Elite des Fotojournalismus – bedeutende Künstler wie Andreas Feininger oder W. Eugene Smith arbeiteten für das Blatt. Nach langem Auf und Ab wurde die Zeitschrift im Jahr 2000 endgültig eingestellt, übrig blieb ein enorm großes Archiv mit Fotos, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Diese Werke, insgesamt etwa 10 Millionen Stück, werden nun von Google ins Netz gestellt. Der überwiegende Teil soll bisher unveröffentlichtes Material sein, das nun erstmals zugänglich gemacht wird. Die FAZ ist deswegen völlig aus dem Häuschen und lobt die „Geschenke“ des Suchmaschinenriesen, die hochauflösenden Bilder („bis zu 900 x 1300 Pixel“) und die Tatsache, dass die Fotos kostenlos angeschaut werden können (was bei Getty oder Corbis mit Millionen von Fotos ebenfalls möglich ist). Laut Heise werden die Bilder für den privaten Gebrauch frei nutzbar sein – was in Anbetracht bekannter Download-Taktiken auch gar nicht anders machbar wäre. Dennoch dürfte der Deal zwischen Life und Google den etablierten Bildagenturen ein Dorn im Auge sein, greift die Internetfirma doch (nach Web-Suche, digitalisierten Büchern, Online-Software oder Mobiltelefonen) ständig nach weiteren Geschäftsfeldern.
 
Helmut Newton: Fired PDF Drucken E-Mail
Montag, 10. November 2008

 Auch ein Meister wie Helmut Newton stiess gelegentlich an seine Grenzen: Wegen eines Auftrags für ein Konkurrenzblatt wurde Newton in den 60ern von der französischen Vogue gefeuert. Erst Jahre später durfte er wieder für das Modemagazin arbeiten. Die Ausstellung Helmut Newton: Fired zeigt ab Ende November seine Modephotographien der 60er und 70er Jahre.

„Helmut Newton: Fired. Modephotographien der 1960er und 1970er Jahre“ in der Helmut Newton Foundation, Berlin. 30. November 2008 bis 17. Mai 2009.

 
Die elektronische Realität PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 5. November 2008

 Wie wird eine schöne Frau aussehen, wenn sie alt ist? Wiedererkennbar? Noch immer schön? Normalerweise kann man auf die Antwort nur warten – das wollten die Pixelkünstler von „Elektronische Schönheit“ jedoch nicht und bearbeiteten ein Portrait des Topmodells Claudia Schiffer gleich zweifach. Eines wurde nach allen Regeln der Kunst verschönt und in ein Zeugnis ätherischer Schönheit verwandelt, das andere geht eben jener Frage nach – wie wird ein Mensch in 30 Jahren aussehen? Nicht mehr wirklich schön, muss man feststellen, auch wenn sich die Frage stellt, warum Fr. Schiffer in der Phantasie der Kreateure mit Ende Sechzig keine Kosmetikprodukte mehr benutzt? ! Ein klein wenig fraglich bleibt auch, ob denn nun Ohren und Nase im Alter wachsen, oder nicht? In der elektronischen Realität tun sie das nicht – aber schliesslich reden wir hier von einer Parallelwelt. So faszinierend diese Retouchen sind, sollte man doch nicht den Blick für die echte Welt da draussen verlieren: Vielleicht erinnert sich jemand im Jahr 2038 an diesen Beitrag…

Die Agentur Elektronische Schönheit, die sich den Luxus einer inhaltslosen Website leistet, hat diese Bilder für das extravagante Magazin vorn erstellt. Auch in der September-Ausgabe der Photographie erschienen die Visionen. Ein paar weitere Informationen findet man auf der selbstverliebten Seite von GoSee. Weitere originelle Beispiele für die „fountain of age“ finden sich wie immer bei Worth1000.

 
Berlin: Avedon-Retrospektive PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 19. Oktober 2008

 Im Berliner Martin-Gropius-Bau eröffnet heute eine grosse Retrospektive mit Bildern eines grossen Fotografen – Richard Avedon. Neben seinen berühmten Modeaufnahmen sind Sozialstudien aus dem amerikanischen Westen und – für die Hauptstadt besonders interessant – Werke aus dem Berlin zur Zeit des Mauerfalls zu sehen.

Richard Avedon – Fotografien 1946–2004, Martin-Gropius-Bau Berlin, 9. Oktober 2008 bis 19. Januar 2009

 
Winzige Schießereien PDF Drucken E-Mail
Freitag, 10. Oktober 2008
Ein „neues Konzept“ mag man bei den Microshootings vielleicht nicht erkennen – einen neuen Trend in jedem Fall. Die Seite möchte eine Datenbank für Fotoaufträge werden und bietet Bildsuchenden die Möglichkeit, Briefings einzustellen. Bis zu 5 Fotografen können sich pro Ausschreibung beteiligen und passende Bilder einsenden. Das klingt alles erstmal nett und vernünftig, wenn auch nicht atemberaubend neu: Viele Fotoplattformen wie foto.studio, dasauge oder neuekoepfe zeigen aktuelle Briefings. Microshootings will als Marktplatz aber die komplette Rechnungs-Abwicklung und Lizensierung übernehmen und wird vom Auftraggeber mit 20% des Fotografenhonorars provisioniert (wie Microshootings mit zahlungsunwilligen Auftraggebern umgehen will, konnte ich auf die Schnelle nicht aus den AGB herauslesen). „Fotografen finden den richtigen Auftrag, um kurzfristige Auftragslücken zu schließen – und das ohne zusätzliche Kosten oder Verwaltungsaufwand“, schreibt die PhotoPresse reichlich euphemistisch, und übersieht dabei, dass selbst winzige Shootings Zeit und Geld kosten. Wer keinen Zuschlag seitens des Auftraggebers erhält, bekommt auch nichts. Ausserdem muss sich der Fotograf darüber klar sein, dass seine Fotos ausschliesslich als „Royalty Free“ verkauft werden. Detaillierte Lizenzmodelle sind nicht möglich; sämtliche Nebenkosten/Spesen sind mit dem Honorar abgegolten. Ob Profis angesichts der Bedingungen und angebotenen Honorare wirklich Foto-Shootings organisieren, oder auf lieber auf Material aus ihrem Archiv zurückgreifen, bleibt allerdings offen.
 
Archivberlin stellt Geschäfte ein PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 2. Oktober 2008

 Mit Bedauern habe ich zur Kenntnis genommen, das mein langjähriger Agentur-Partner „Archivberlin“ mit Wirkung vom 1.10.08 seine Geschäftstätigkeit eingestellt hat. Offenbar haben die einschlägigen Microstocks in letzter Zeit den kleineren Agenturen mehr zu schaffen gemacht, als bekannt war. Schade. Viele Kunden wollen einfach nur billig – „es muss ja auch nicht so gut sein“ ist die Devise, die sowohl Niveaulosigkeit als auch das Bewusstsein darüber beweist.

 
Traumfrauen in Hamburg PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 21. September 2008

 In den Hamburger Deichtorhallen versammeln sich nun Traumfrauen, wie die internationalen Topfotografen sie sehen. Das Publikum darf sich an der Schönheit vor den Linsen von Lindbergh, LaChapelle, Rheims und 47 anderen Künstlern ergötzen. Die begleitenden Kommentare der Fotografen sollen ihre Sicht der Dinge erläutern, erklären, was für sie Schönheit bedeutet, wie sich ihre Traumfrau definiert. Dass dabei vielfach Platitüden entstehen, die eine Unvereinbarkeit von Soll und Sein offenbart, stört auch den Spiegel: „Das politisch-korrekte, aufklärerische Mäntelchen, das diese Hamburger "Traumfrauen"-Selektion trägt, passt eben auch nicht. Zumal es recht dünn ist, das zeigt nicht zuletzt das Cover des Ausstellungskatalogs, auf dem die recht konventionell wohlgestaltige Angelina Jolie ran muss. Und sie räkelt sich so schönbeinig im Ledersessel, dass sich das Konvolut schon durch die Frage "Höschen: ja oder nein" zur Bereicherung behaglicher Erbauungsstunden in den Herrenzimmern der Republik empfiehlt.“  Damit hat der Spiegel recht, nimmt doch ein konventionell schönes Foto keine neue Dimension an, nur weil der Fotograf erklärt, er lehne Konventionen ab. Warum der Artikel aber nach der fehlenden Demokratisierung dessen fragt, was als schön gilt, erschliesst sich nicht. Dieser Begriff wandelt sich stets langsam und leise, schleichend, nie grundlegend – und das völlig zu recht. Komplett neue Interpretationen sind von der Generation Lindbergh oder Rheims auch nicht mehr zu erwarten. Darum möge man sich frei jeder Sinnbeschwerung einfach an schönen Fotos von schönen Frauen freuen. Eine kleine Auswahl findet sich beim Stern.

 
bild.sprachen – Messe PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 11. September 2008
 Ende November wird im Wissenschaftspark Gelsenkirchen die Messe bild.sprachen 08 ausgerichtet – sie soll Fotografen und Bildnutzer zusammenbringen. Beiden Seiten diene die Veranstaltung als Plattform, die eigene Bildsprache vorzustellen und passende Partner zu finden. 21. und 22.11.2008, Wissenschaftspark Gelsenkirchen, Munscheidstraße 14, 45886 Gelsenkirchen, Öffnungszeiten: 10 - 18 Uhr
 
Einmal Nasenspitze und zurück PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 2. September 2008

Manchmal bin ich erstaunt, wie weit die Leute denken: Einmal bis zur Nasenspitze – und dann machen sie gleich wieder kehrt. Vor Kurzem wollte mich eine holländische Fotostudiokette dazu überreden, für sie als „Partner vor Ort“ Panoramafotos anzufertigen. Der Zeitaufwand war mit 2 Stunden angegeben („mit etwas Übung“ – klingt reichlich euphemistisch), der Lohn hätte sich im zweistelligen Bereich bewegt. Schon wollte ich begeistert zustimmen, als ich las, dass man im voraus Investitionen in Höhe von ca. 1.500,- € tätigen müsste. Hui! Würden die Herren denn eine Garantie übernehmen, dass man die Auslagen überhaupt wieder einspielen könne, wollte ich noch fragen, da war die eMail schon gelöscht.

Eine noch schönere Begebenheit war Ende Juli das Angebot einer Kaffeerösterei, ein frisch gebrühtes und garantiert koffeinfreies „Profi-Shooting“ für 99,- € zu erwerben. Das Angebot umfasste Make-Up und Hairstyling, Outfitwechsel, einen bearbeiteten Abzug in 20x30, sowie Zugriff auf eine Online-Galerie. Toll! Erst der zweite Blick brachte die Gewissheit, woran hier verdient würde. Die besteiligte Studiokette veranstaltete offenbar Gruppen-Shootings und verlangte für jedes weitere bearbeitete Bild 25,- € zusätzlich. Eine CD mit den (niedrig aufgelösten und unbearbeiteten) Dateien hätte nochmals mit 89,- € zu Portemonnaie geschlagen. Hier erreichten einige Kunden beim Denkprozess noch nicht mal den Frontallappen (Lobus frontalis).

„Kein Wunder“, muss ich mir da sagen lassen, „dass Du nicht jede Woche eine neue Welt bedienst.“ Sollte ich vielleicht meine Geschäftsgrundlage überdenken? Warum nur biete ich meinen Kunden keine „10-Cent-Grundgebühr“-Shootings, sondern Paketpreise an? Wieso bloss ist bei mir die Retouche und Nachbearbeitung der Fotos Bestandteil des Honorars? Und weshalb – verflixt nochmal – landen immer alle Fotos in voller Auflösung auf meinen CDs? Ach, jetzt fällt´s mir ein: Die entscheidende Frage ist, warum ich beim Denken nicht an der Nasenspitze Halt mache…

 
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